Optische Schichtdicken-Messtechnik

Grundlagen Know-how

Industrielle Beschichtungen

Die Messung der Schichtdicke ist eine Schlüsseltechnologie für die Qualitätskontrolle in der modernen Fertigung. Berührungslose optische und strahlungsbasierte Verfahren wie Photothermie, Terahertz, Reflektometrie oder Ellipsometrie ermöglichen eine präzise und schnelle Dickenanalyse für eine Vielzahl von Beschichtungen und Materialien.

Beschichtungen sind in der Industrie allgegenwärtig. Ihnen werden im Wesentlichen zwei Hauptfunktionen zugewiesen: die Erfüllung dekorativer (ästhetischer) oder funktionaler Anforderungen.

In beiden Fällen ist die Schichtdicke ein entscheidender Qualitätsparameter. Bei optischen Anforderungen kann eine zu dünne Beschichtung dazu führen, dass das Substrat durchscheint, wodurch das Erscheinungsbild nicht mehr den definierten Spezifikationen entspricht. Auch funktionale Beschichtungen werden durch ihre Dicke bestimmt – so können beispielsweise Korrosionsschutzbeschichtungen ihre Schutzwirkung nicht vollständig entfalten, wenn sie zu dünn aufgetragen werden.

Aus wirtschaftlicher Sicht muss neben einer unzureichenden Schichtdicke – die zu Qualitätsverlusten, Ausschuss oder Reklamationen führt – auch eine sogenannte Überbeschichtung vermieden werden. Die Schichtdicke lässt sich mit verschiedenen Methoden kontrollieren, die sich im Wesentlichen in folgende Kategorien einteilen lassen:

Zerstörende oder halbzerstörende Messverfahren, wie beispielsweise die Querschnittsanalyse, werden hier nicht behandelt. Ebenso werden berührende oder taktile Messverfahren auf dieser Seite nicht besprochen und im Diagramm lediglich der Vollständigkeit halber erwähnt.

Optische Messverfahren werden nach transparenten, teilweise transparenten und opaken Beschichtungen klassifiziert. Messverfahren für opake Beschichtungen lassen sich anhand der leitenden und isolierenden Eigenschaften der Beschichtung unterscheiden.

Übersicht

Optische und strahlungsbasierte Verfahren zur Messung der Schichtdicke

Verfahren zur SchichtdickenmessungGeeignet fürSchichttypTypischer MessbereichTypische Einsatzumgebung
Spektrale ReflektometrieDünne optische Schichten, einfache MehrschichtsystemeTransparent / teiltransparent~ nm – µmLabor / Inline
EllipsometrieUltradünne Schichten, präzise optische BeschichtungenTransparent~ sub-nm – nm*Labor
Weißlichtinterferometrie
(WLI / CSI)
Hochpräzise Oberflächentopografie und transparente SchichtenTransparent / teiltransparent~ nm – µmLabor
Optische Kohärenztomographie (OCT)Mehrschichtsysteme (z. B. Lacke, Polymere)Transparent~ µm – mmLabor / Inline
Chromatisch-konfokale SensorenStrukturierte Oberflächen, variable SchichtdickenTransparent~ µm – mmInline / Produktion
Terahertz (THz)-SchichtdickenmessungDicke Beschichtungen und Mehrschichtsysteme (Lack, Kunststoffe)Nichtleitend (dielektrisch)~ 5 µm – mmInline / Labor
Röntgenfluoreszenzanalyse (XRF)Metallische Schichten
(z. B. Galvanik)
Metallisch~ nm – µmProduktion / Labor
Photothermische SchichtdickenmessungBeschichtungen im Prozess, auch im nassen ZustandOpak~ µm – mmInline / Produktion
Hyperspektrale Bildgebung (HSI)Flächenhafte Analyse von Schichtdicke und HomogenitätMaterialabhängig (optisch aktiv)~ nm – µmInline / Labor

*„sub-nm“ bezeichnet Dicken unter einem Nanometer

Physikalische Eigenschaften

Technische Grundlagen der Schichtdickenmessung

MesstechnikPhysikalisches
Prinzip
Primäre
Messgröße
Material-
abhängigkeit
Typische
Genauigkeit
Besondere Vorteile/
Hinweise
Spektrale
Reflektometrie
Interferenz von
breitbandigem Licht
Reflexionsspektrum
(Interferenzmuster)
Transparenz,
Brechungsindex
~ nmModellbasierte
Auswertung erforderlich
EllipsometrieÄnderung des Polarisationszu-
stands bei Reflexion
Amplituden- und Phasen-
verschiebung (Psi, Delta)
Optische Konstanten
(n, k)
~ sub-nm – nm*Sehr hohe Empfindlichkeit,
stark modellabhängig
Weißlicht-
interferometrie
(WLI / CSI)
Kohärenz-
interferometrie
Interferenzsignal entlang
der optischen Achse
Reflexions-
eigenschaften,
Transparenz
~ nmKombiniert Oberflächen-
topografie und Schichtdicke
Optische Kohärenz-
tomographie (OCT)
Niedrigkohärente Interferometrie
(tiefenaufgelöst)
Laufzeit /
Interferenzsignal
Streuung,
Brechungsindex
~ µmBerührungslose Tiefenprofilierung von Mehrschicht-
systemen
Chromatisch-konfokale SensorenChromatische Aberration
(wellenlängen-
abhängiger Fokus)
Spektrale Peak-Position
(Fokuslage)
Brechungsindex~ sub-µm – µmRobust für raue
und industrielle Oberflächen
Terahertz (THz)-
Schichtdicken-
messung
Laufzeitmessung elektromag-
netischer Pulse
Zeitverzögerung
der Echos
Dielektrische
Eigenschaften
~ µmMessung von Mehrschicht-
systemen ohne Kontakt
Röntgen-
fluoreszenz-
analyse (XRF)
Anregung und Emission
charakteristischer Röntgenstrahlung
Intensität element-
spezifischer Röntgenlinien
Element-
zusammen-
setzung
~ nm – µmStandardverfahren für metallische Beschichtungen
Photothermische
Schichtdicken-
messung
Transientes thermisches Verhalten
nach optischer Anregung
Temperatur-Zeit-VerlaufThermische Eigenschaften~ µmMessung auch bei nassen/ nicht ausgehärteten Beschichtungen
Hyperspektrale Bildgebung
(HSI)
Spektrale Analyse
über eine Fläche
Spektrale Signatur
pro Pixel
Optische EigenschaftenAnwendungs-
abhängig
Flächenhafte Darstellung von
Schichtdicken und Inhomogenitäten

*„sub-nm“ bezeichnet Dicken unter einem Nanometer

Erklärung der Messverfahren

Nachfolgend finden Sie kurze Erläuterungen der wichtigsten berührungslosen Verfahren zur Schichtdickenmessung und ihrer Funktionsweise.

Spektrale Reflectometrie

Die spektrale Reflektometrie analysiert die Interferenz von breitbandigem Licht, das von dünnen Schichten reflektiert wird. Das daraus resultierende Interferenzmuster im Reflexionsspektrum wird genutzt, um die optische Dicke transparenter oder halbtransparenter Beschichtungen mit hoher Genauigkeit zu bestimmen.

Ellipsometrie

Die Ellipsometrie misst Veränderungen des Polarisationszustands von Licht bei der Reflexion unter schrägem Einfall. Durch die Analyse von Amplituden- und Phasenverschiebungen lassen sich sowohl die Schichtdicke als auch die optischen Konstanten mit einer Auflösung im Subnanometerbereich bestimmen, in der Regel mithilfe einer modellbasierten Auswertung.

Weißlichtinterferometrie (WLI / CSI)

Bei der Weißlichtinterferometrie wird Licht mit geringer Kohärenz verwendet, um Interferenzsignale entlang der optischen Achse zu erzeugen. Sie ermöglicht hochpräzise Messungen der Oberflächentopografie und kann gleichzeitig die Dicke transparenter Schichten bestimmen.

Optische Kohärenztomografie (OCT)

Die OCT basiert auf der Interferometrie mit geringer Kohärenz und misst die Zeitverzögerung des reflektierten Lichts. Dies ermöglicht eine berührungslose Tiefenprofilierung von mehrschichtigen Systemen, selbst bei streuenden Materialien wie Farben oder Polymeren.

Chromatisch-Konfokales Verfahren

Chromatische konfokale Sensoren nutzen die wellenlängenabhängige Fokussierung von weißem Licht. Es wird nur die Wellenlänge erfasst, die an einer Oberfläche im Fokus liegt, was eine präzise Abstandsmessung und Dickenbestimmung ermöglicht, selbst auf rauen oder strukturierten Oberflächen.

Terahertz-Technologie (THz)

Terahertz-Systeme senden kurze elektromagnetische Impulse aus, die dielektrische Materialien durchdringen. Reflexionen an den Schichtgrenzflächen erzeugen zeitverzögerte Echos, wodurch die Dicke einzelner Schichten in mehrschichtigen Systemen berührungslos gemessen werden kann.

Röntgenfluoreszenzanalyse  (RFA)

Bei der RFA werden Atome mit hochenergetischen Röntgenstrahlen angeregt, wodurch sie charakteristische Fluoreszenzstrahlung aussenden. Durch die Analyse der elementspezifischen Intensitäten lässt sich die Dicke metallischer Beschichtungen genau bestimmen.

Photothermie

Bei photothermischen Verfahren wird die Beschichtungsoberfläche durch kurze optische Anregung erwärmt. Die daraus resultierende thermische Reaktion im Zeitverlauf hängt von der Beschichtungsdicke und den Materialeigenschaften ab, wodurch auch nasse oder noch nicht ausgehärtete Beschichtungen in der Produktion gemessen werden können.

Hyperspektrale Bildgebung (HSI)

HSI erfasst für jedes Pixel eines Bildes das gesamte optische Spektrum. Durch die Analyse der spektralen Merkmale einer Oberfläche lassen sich Schwankungen in der Schichtdicke und Inhomogenitäten großflächig visualisieren und bewerten.

Anwendungsbeispiele

Schichtdickenmessung

Beispiele für industrielle Anwendungen zur Schichtdickenmessung

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